Zahnfilm DE - Die Webseite für chronische Gesichtsschmerzen

Trigeminale Neuropathische Schmerzen machen Ausdünnungen im Hirn

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cingulate3 Bild 1

Im wissenschaftlichen Papier Colocalized structural and functional changes in the cortex of patients with trigeminal neuropathic pain.  (= Zusammentreffende Struktur- und Funktionsänderungen in der Hirnrinde von Patienten mit Trigeminus Neuropathie Schmerzen) vom Oktober 2008 untersucht eine Wissenschaftsgruppe um Dr. A.F. DaSilva an der Harvard University, Boston, Massachusetts mit Hilfe eines Siemens 3-T Magnet Resonanz Tomografen (= Kernspin) in vergleichsweise hoher Auflösung in der Voxelgröße (1 Voxel = 3 dimensionaler Pixel) 1 x 1 x 1.6 mm das Hirn von sechs handverlesenen Trigeminus Neuropathie Patienten.

Zusammensetzung Tabelle 2

Handverlesen wurden die Patienten deswegen, damit sie alle folgende Bedingungen erfüllen:

  1. Die neuropathischen Gesichtsschmerzen müssen dauerhaft höher als 4 auf der Skala 0 bis 10 liegen
  2. Es müssen zusätzliche Schmerzen von mehr als 4 von 10 auftreten, wenn die Wangenhaut mit einer weichen Feder berührt wird.
  3. Es werden ausschließlich Patienten mit einer Neuropathie im 2. Ast (Oberkiefer) der rechten Gesichtshälfte akzeptiert, um eindeutige Bildergebnisse zu erzielen.
  4. Es muss sich um Rechtshänder handeln
  5. Die chronischen Gesichtsschmerzen müssen seit länger als 6 Monate bestehen
  6. Es dürfen keine sonstigen medizinische/neurologische/psychiatrische Erkrankungen insbesondere keine weiteren chronischen Schmerzen vorkommen.

Aus einer Vorauswahl von 31 Personen, die per Anzeigen im Großraum Boston gewonnen wurden, erfüllten schließlich die in Tabelle 2 einzeln aufgeführten Teilnehmer alle 6 Bedingungen. Der Blick in die Tabelle offenbart das typische Bild, dass Zahnfilm DE hier in der Praxis auch vorfindet: Frauen stellen die absolute Mehrheit mit 5 gegen 1 Mann, das angetroffene Alter liegt zwischen 34 und 58 Jahren, die Dauerschmerzen dauern seit 1 bis 10 (!) Jahren an und die in Trigeminus Neuropathie Untersuchungen erfahrenen Forscher geben als Gründe (= Etiology) hauptsächlich "Zustand nach Herpes Infektion" bzw. "Trauma" (= Schlag, Unfall, unsachgemäße Zahnbehandlung) an.

In Bild 1 ist der so genannte "Cingulate Cortex" (CC)  in dunkelblau hervorgehoben. Diese Hirnwindung wird erst sichtbar beim Auseinanderklappen der Hirnhälften. Cingulate Cortex bedeutet übersetzt "ringförmige Hirnrinde", weil sie sich wie ein Ring über die große Verbindung der beiden Hirnhälften (Corpus Callosum) legt. Über diesen CC schreiben die Autoren des Papiers:

Changes in the rCBF of the cingulate cortex (CC) have been frequently reported in experimental and clinical pain neuroimaging studies, mainly in its anterior portion [4], [53]. However, its role in pain processing is much more complex and integrated with other cortical and subcortical systems than simple sensorimotor and emotional-cognitive dichotomy. Recent cytoarchitectural studies have defined four regions in the CC that have specific subdivisions and roughly defined functions directly or indirectly connected with pain: anterior CC (ACC) (visceral integration and emotion); medial CC (MCC) (reaction selection); posterior CC (PCC) (self orientation); retrosplenial cortex (RSC) (memory) [69].

Übersetzung
Änderungen im rCBF des Cingulate Cortex (CC) sind oft berichtet worden in Tierversuchen und klinischen Studien mit hirnbildgebenden Verfahren, vor allem in dem vorderen Bereich (ACC). Aber seine Rolle in der Schmerz Verarbeitung ist erheblich komplizierter und mit anderen Hirnrinden und tiefer liegenden Hirnstrukturen vernetzt, als die simple Sinnesorgane/Muskel und Gefühl/Wissen Aufteilung [die bisher dem CC zugeordnet wurde]. Kürzliche Studien, die die Architektur der Zellen erforschten, haben 4 Regionen im CC entdeckt, die jeweils bestimmte Unterbereiche haben. Eine ungefähre Zuordnung ihrer Funktionen direkt und indirekt mit Schmerz sieht so aus: der anteriore CC (ACC) erledigt die Zusammenfassung der Meldungen der inneren Organe und der Gefühle, der mediale CC (MCC) erledigt das Auswählen von Reaktionen, der posterior CC (PCC) ist zuständig für die Selbstorientierung, der retrospleniale Cortex (RSC) ist zuständig für das Gedächtnis.

Cingulate Cortex Bild 2

Bild 2 zeigt die aufsummierten Effekte aller 6 Trigeminus Neuropathie Patienten beim Streicheln der rechten Backe während laufendem Scanner. Der Abschnitt A, ganz oben in Bild 2, gibt das Gesamthirn  in der Schematik des Scanner  wieder, während der Abschnitt B den herausvergrößerten Cingulate Cortex verdeutlicht. Interessant wird es in Abschnitt C: dort tauchen blaue und rote Bezirke auf. Diese haben zu bedeuten, dass im Bereich der roten Flecken die Durchblutung in dem Moment erheblich ansteigt, in dem bei den Kranken die Backe gestreichelt wird. Für die blauten Flecken gilt, dass dort die Durchblutung stark abfällt. Verglichen wird dabei nicht mit dem Zustand der Kranken vor dem Streicheln, sondern mit Gesunden, die ebenfalls gestreichelt werden. Wichtiger Unterschied!

Und nun zum Abschnitt D

Rechts neben der Grafik lesen Sie "Cortical Thickness" TNP versus HC, was auf deutsch bedeutet: Dicke der Hirnrinde, Vergleich Trigeminus Neuropathie Patienten gegen Gesunde (Healthy Controls). Bei den rötlich/orangefarbenen Bereichen handelt es sich um die Zonen, in denen der Scanner bei allen (!) Trigeminus Neuropathie Patienten eine dünnere Schicht in der Hirnrinde ermittelt hat als bei Gesunden. Beachten Sie die Angabe "P < 0,05". Das besagt, dass der Unterschied zwischen Gesunden und Kranken statistisch nicht mehr durch Zufall erklärt werden kann. Wenn Sie die diese Arbeit im Original lesen, werden Sie feststellen, dass unsere Forscher gerade in Statistik sattelfest sind, denn sie widmen diesem Bereich ein eigenes Kapitel.

Das wissenschaftliche Papier enthält nicht weniger als 5 solcher Bilder wie hier das Bild 2, in dem ganz verschiedene Hirnbereiche in ähnlicher Form vorgeführt werden können.  Was sich auch zeigt: Die Änderung der Dicke der gefunden Hirnbereiche fällt um so stärker aus, je länger die Neuropathie des Trigeminus andauert. Und: häufig fallen die aufgefallenen Zonen aus Abteilung C und D ziemlich dicht oder sogar direkt aufeinander.

 


Was bedeutet das alles für Trigeminus Neuropathie Kranke?

Ernstzunehmende Neurologie Forscher aus der vorderen Front legen hier schwer angreifbare Beweise dafür vor, dass a) das Hirn von Trigeminus Neuropathie Kranken krankhaft verändert ist, b) diese Änderungen im Hirn von der Dauer der Neuropathie abhängen und c) diese Veränderungen eben nicht zufällig verlaufen, sondern systematisch nach einem bisher noch nicht durchschaubaren Muster in vielen Hirnbereichen - in diesem Beispiel eben charakteristisch für die Neuropathie des Trigeminus -  stattfinden. Diese Botschaft gilt es erst einmal zu verdauen.

Es verdichten sich damit die Anzeichen, dass der wahre Ort des Geschehens bei Neuropathien oder chronischen Schmerzen allgemein weniger in den Geweben vor Ort, also da, wo der Patient den Schmerz fühlt, liegt, als viel mehr im Zentralen Nerven System. Das sagt Zahnfilm DE seit Jahren.

Aktualisiert (Dienstag, den 09. März 2010 um 13:29 Uhr)

 

Dr. Apkarian: Chronische Schmerzen - der neueste Stand Teil 1

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Apkarian  Apkar Vania Apkarian, Ph.D. , seit 2000 Professor der Northwestern University Medical School, Chicago, Illinois, dazu Associate professor of Physiology, Surgery, Cognitive Brain Mapping Group,& Neuroscience Institute, studierte ursprünglich in Californien von 1974 - 1979 Elektroingenieur, erweiterte sein Wissen zum biomedizinischen Ingenieur (Master of Science) bis  1988, und ging für 2 Jahre nach Würzburg an das physiologische Institut der Neurologie durch einen Ruf der Humboldt Stiftung. Er kehrte 1989 zurück an die Universität Syracuse, New York State als Director, Computational Neuroscience Program und stieg auf zum Chef der Hirnforschung des Instituts bis zum Ruf nach Chicago 2000.

Prof. Dr. Apkarian veröffentlich seit 1981 wissenschaftliche Papiere im engeren Bereich der Rückenmark / Hirnstamm / Großhirn Schmerzforschung, Medline listet auf Anhieb 92 Veröffentlichungen. Er spricht englisch, französisch, arabisch und armenisch.

 

Ein neueres Werk (veröffentlicht Oktober 2008) aus der Feder des weltweit wohl führenden Hirnexperten für chronische Schmerzen soll hier wegen seiner grundsätzlichen Bedeutung in Auszügen vorgestellt werden. Es heißt demütig Towards a theory of chronic pain.  (= In die Richtung zu einer Theorie des chronischen Schmerzes) und ist im englischen Volltext direkt auf dem genannten Link abrufbar.

 

Part 1

Teil 1 soll damit beginnen, dass ich (J.W.) zunächst die mir zuerst aufgefallenen Sätze aus dem 22-seitigen Nurtext Dokument hier präsentiere. Danach plane ich, auf die für Trigeminus Neuropathien zutreffenden Absätze genauer einzugehen.

  1.  
    1. Mindestens bestätigen die Tierversuche dass chronische Schmerzen biologisch vorkommende Zustände und nicht nur die Einbildung von Patienten sind. Original: At minimum, these animal models confirm that chronic pain states are biological entities and not just the imagination of patients.
    2. Die gegenwärtige Behandlung für chronische Rückenschmerz bleibt unbefriedigend ... Viele Medikamente für chronische Rückenschmerzen sind nicht, oder nur wenig effektiver als Plazebos. Andere haben Nebenwirkungen, die den Nutzen übertreffen. Auf der Basis des jetzigen Wissens kann kein Medikament ernsthaft für chronische Rückenschmerzen empfohlen werden. Original: Current management of low back pain remains insufficient ... Many drugs used for back pain are no more, or only slightly more, effective than placebos. Others have side effects that outweigh their usefulness in relieving pain. On the basis of the evidence, no drug regimen can be legitimately recommended for back pain.
    3. Depression ist einer der stärksten Vorhersagewerte für chronische Rückenschmerzen. Original: Depression is ranked as one of the strongest predictors for low back pain.
    4. Die klinischen Daten zeigen, dass je stärker die akuten Rückenschmerzen (zusammen mit vorangegangenen Episoden von Rückenschmerzen), je länger sie anhalten und wenn sie begleitet werden von einer Verletzung des Beinnerven, dann erhöht das die Wahrscheinlichkeit, dass sie chronisch werden, besonders wenn eine starke Depression dazukommt. Original: This clinical data (e.g. (Heneweer et al., 2007), and many others) does show, however, that the more severe the back pain (together with previous history of back pain), the longer it is sustained, and when it is accompanied with sciatic nerve damage there is increased likelihood that it will turn chronic, especially when coupled with high depression.
    5. Im Hirn ermittelte Werte laufen streng parallel zu klinischen Werten bei chronischem Schmerz  ...  Wir haben gefunden, dass die Konzentrationen von Chemikalien im Cingulate Cortex und Thalamus die Dauer von chronischen Schmerzen abbilden (in umgekehrter Richtung). Darüberhinaus fanden wir Chemikalien, deren Konzentrationen gleichmäßig mit dem Ort-, Gefühls- und Stärkeintensität von chronischen Schmerzen ansteigen. In dieser Studie kommen wir zum Schluss: "Hochsignifikante (= garantiert nicht zufällige) Beziehungen wurden vorgefunden zwischen dem klinischen Erscheinungsbild und Hirnchemikalien an den entsprechenden Stellen". Original: Brain derived markers strongly correlate with clinical parameters of chronic pain  ....  We found that the relative concentrations of chemicals in the cingulate cortex and thalamus reflected pain duration (in opposite directions). Moreover, chemical concentrations were found to positively correlate with sensory, affective, and intensity ratings of chronic back pain. In the study we reported: “Highly significant empirical relationships were seen between perceptual predictors and regional chemicals:
    6. Grachev hat in 2000 und 2004 die erste Hirn Vermessungs Studie durchgeführt, die den anatomischen Beweis führt, dass bei chronischem Rückenschmerz Hirnschwund eintritt. (Apkarian 2004). Dieses Ergebnis wurde jetzt wiederholt nachgewiesen für chronische Rückenschmerzen und anderen Typen von chronischen Schmerzen (Kuchinad, Schmidt-Wilke 2005,2006). Original: (Grachev et al., 2000), and in 2004 published the first brain morphometric study showing anatomical evidence for brain atrophy in chronic back pain patients (Apkarian et al., 2004b). This result has now been replicated in chronic back pain and other types of chronic pain conditions (Kuchinad et al., 2007; Schmidt-Wilcke et al., 2005; Schmidt-Wilcke et al., 2006).
    7. Es gibt eine enge Beziehung zwischen regionalem Hirnschwund und Abnormalitäten der Hirn Chemie. Beides deutet in die Richtung einer Beschädigung der Nervzellen im DLPFC (= Dorsolateraler Präfrontaler Cortex) von chronischen Rückenschmerz Patienten. Die wichtigste Chemie, deren Absinken im DLPFC festgestellt wird, ist N-acetyl-aspartate und wird hauptsächlich im Körper von Nervzellen gefunden ... Original: There is also a tight relationship between brain regional atrophy and brain chemistry abnormalities. They both indicate neuronal damage to the DLPFC in chronic back pain patients. As the primary chemical observed to decrease in DLPFC was N-acetyl-aspartate and as this chemical is mainly found within the soma of neurons, ..... 
    8. Die Beobachtung, dass spontaner Schmerz bei chronischem Schmerz sich innerhalb von Sekunden bis Minuten stark verändert, ist neu und bietet ein einfaches objektives Werkzeug, das Vorhandensein und die Stärke von chronischen Schmerzen abzuschätzen. Bedenkt man, dass gesunde Menschen nicht in der Lage sind, solche schnellen Veränderungen nachzumachen und die Veränderungen beim Aufbringen von schmerzhaften Kalt/Warmreizen so wiedergeben, dass das nicht einmal entfernt an die Angaben von chronischen Schmerzkranken erinnert, könnte diese Methode sinnvoll sein, chronische Schmerzpatienten zu erkennen. Original: The observation that spontaneous pain in chronic pain fluctuates over the scale of seconds to minutes is novel and potentially provides a simple objective tool for determining the presence and magnitude of chronic pain in the clinic. Considering that normal healthy subjects are unable to mimic these fluctuations, and report fluctuations in response to applied thermal painful stimuli that do not even remotely resemble those of chronic pain patients, this method would be particularly useful in identifying chronic pain patients.

 

Der Artikel soll noch lesbar bleiben, deshalb stoppt hier der Auszug aus dem Artikel Towards a theory of chronic pain. an dieser Stelle, obwohl erst die Seite 11 von 23 erreicht ist.

Kommentar

Reines Gold liest derjenige hier, der sich näher mit der aktuellen Hirnforschung und da speziell mit chronischen Schmerzzuständen beschäftigt. Natürlich ist es kein Zufall, dass Dr. Apkarian mit dem chronischen Rückenschmerz beginnt. Für diejenigen, die das nicht wissen: chronische Rückenschmerzen überlebt der Patient mit hoher Sicherheit 50 Jahre, sie macht den Rücken eben nicht "kaputt", Operationen bleiben zu über 90% fruchtlos und alle Methoden (Schmerzmittel aller Art bis zum Morphium), physikalische Therapie, Übungen, Moorbäder oder Psychotherapie erweisen sich ALLE (!) als so gering hilfreich, dass die Frage einfach gestellt werden muss: stimmt die Diagnose? Ist es wirklich der Rücken? Dr. Apkarian sagt: Nein. Und Zahnarzt Joachim Wagner sagt zu TMD (oder CMD) auch: Ihr sucht bei Temporo Mandibulär ... schlicht an der falschen Stelle.

Aktualisiert (Dienstag, den 09. März 2010 um 13:35 Uhr)

 

Was Osteopathen alles können

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In einem laiengeführten Patientenforum für Zahnmedizin fand ich heute dieses:

 

Zitat Anfang

beim gähnen knackt das kiefer?

25.02.10  Hallo Leute, habe schon seit ein paar Monaten probleme und ich weiß net woher das kommt! Immer wenn ich gähne knackt kann mir jemand weiter helfen Termin beim Kieferortopäden wurde schon gemacht. Liebe Grüsse eve evemari

25.02.10 Beim Kieferorthopäden bist Du damit oft falsch. Dafür gibt es Kieferchirurgen, die sich entsprechend weiter gebildet haben. Oft reicht auch erstmal ein Termin beim Haus-ZA, der einen dann an den entsprechenden Experten weiter überweist. Ansonsten solltest Du dazu mal die Suchfunktion nutzen, es gibt einige Fäden, die sehr hilfreich sind *:) Hase

25.02.10  Ich hatte das gleiche Problem. Ich war damit beim Osteopathen. Das hat gut geholfen. sunshine83

25.02.10  Osteopath ist auf jeden Fall sinnvoll :)^  Hase

Zitat Ende

 

"Hase" ist gelernte Zahnarzthelferin und übt offenbar seit mehr als 5 Jahren ihren Beruf hauptsächlich im Internet aus. Bekanntlich handelt es sich bei den Osteopathen um die Schweizer Offiziermesser der Medizin/Zahnmedizin, wenn man bestimmten glaubensseligen Patienten zuhört. Sie kurieren unklare Schmerzen ALLER (!) Art, egal ob es um den Kopf, Hals, Rücken, Eingeweide, Herz oder Seelenschmerz geht. Auch spielt es keine Rolle, welche Ursachen dem Schmerz zugrunde liegen, ob sich ein Zostervirus aktiviert, oder Rheuma, oder ein Faustschlag ihn verursacht hat. Der Osteopath zieht und drückt hier oder da an irgendwelchen Hautpartien, schaut dem Patient tief in die Augen, schreibt eine schmerzhafte Rechnung und schon bessert sich alles.

Deswegen brauchen wir uns auch nicht wundern, wenn der Osteopath der richtige Mann für das Kiefergelenksknacken ist. Weil a) das Knacken im Kiefergelenk immer noch keine Krankheit ist, obwohl bestimmte Kreise in der Zahnmedizin hartnäckig das Gegenteil behaupten, und b) kein Fachmensch dieser Erde bisher herausgefunden hat, wie das Knacken garantiert zu beseitigen ist, ohne chirurgisch im Kiefergelenk selbst herum zu fuhrwerken. Und letzteres, die Kiefergelenks OP hat derart katastrophale Folgen, das nicht einmal die "Kiefergelenks Geräusche sind krankhaft" Prediger sich beim Zuraten zu einer OP erwischen lassen.

So gesehen ist die Aussage im Zitat oben stimmig: Eine nicht behandlungsbedürftige Sache wird von nicht behandlungsfähigen Leuten be"handelt". Passt doch.

Was lernt das den Schulmediziner?

Wer sich als Schulmediziner dadurch profiliert, ungeprüften Unsinn ("Kiefergelenks Geräusche sind krankhaft") weiter zu geben, sollte sich auch darauf einstellen, zu erklären, warum völliger Humbug als "Behandlung" offensichtlich auch funktioniert.

Aktualisiert (Samstag, den 27. Februar 2010 um 09:44 Uhr)

 

Unter Gold bitte keinen Kunststoff!

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Vollbildaufzeichnung_2232010_124028_PM

Bild 1

Es sieht aus wie eine schöne dicke Karies, das Dunkle in der Bildmitte unter dem weißen Metallschatten. Das Metall ist ein Inlay aus einer Goldlegierung und der so versorgte Zahn 46 wurde vor langer Zeit wurzelbehandelt.

Seit Jahren liegt mir Herr L. (45) in den Ohren, ich möge mich doch bitte um den schlechten Geschmack zwischen 46 und 47 kümmern, das jetzt erstellte Röntgenbild zeigt aber zum ersten mal diesen scheinbaren Defekt, der sich eigenartigerweise mit der Hakensonde nicht bestätigen läßt.

Inlay von unten

Bild 2

Das abgenomme Inlay (dabei auch zerstört) zeigt an der distalen Stufe keine großen Auffälligkeiten, insbesondere ist noch Zement in der Stufe vorhanden, was angesichts des Röntgenbildes nicht logisch erscheint.

distale Stufe mit PLastik

Bild 3

Der Blick auf die distale Stufe offenbart, warum einerseits im Röntgenbild unter dem Metall eine röntgenstrahldurchlässige "Karies" erscheint, diese andererseits nicht zu tasten ist: tatsächlich befindet sich dort Kunststoff. Der Vorbehandler hat also unter dem Zahnfleischniveau einen Kunststoff Aufbau in diesen Zahn gedengelt (geklebt oder nicht geklebt ist mittelfristig im Effekt gleich), hat seinen Inlaykasten dorthinein gefräst und es dabei bewenden lassen.

Plastikstück

Bild 4

Ohne allzu große Kraftanstrengung konnte ich das Plastikstück zwischen den Zähnen absprengen, was nahelegt, dass die Klebekraft zwischen Plastik und Wurzeldentin ziemlich genau bei 0 Megapascal (MPa) gelegen haben dürfte. Beachten Sie bitte die rötliche scharfkantige Bucht nach rechts oben.

Distal ohne Plastik

Bild 5

So tief lag der Defekt bevor Kunststoff in den Zahn gegeben wurde. Wie auch im Bild 3 erkennbar, lag das herausgefallene Kunststoff Stück mit der Einbuchtung am scharfkantig begrenzenten weißen Zement an. Das wiederum beweist, dass die Kunststoff Füllung mit Sicherheit älter ist als die Zementfüllung, weil kein Zahnarzt dieser Welt in der Lage ist, ohne Diamantschleifer in der Hand solche Formen in eine Füllung zu bringen. Und das geschah anläßlich der Wurzelbehandlung des Zahns. Dabei wurde eine tiefliegende Kunststoff Füllung in Richtung Pulpa durchbohrt und später mit Zement zugedeckt.

Der Fall ist aus 2 Gründen interessant

1. Hier liegt ein weiterer Mosaikstein für meine These vor, dass Kunststoff als Füllungsmaterial unterhalb des Zahnfleischniveaus nichts taugt. Gerade erst hatte ich wieder ein Fotoserie eines Oberarztes einer Münchner Universitätsklinik in der Hand, der in der Diskussion allen Ernstes behauptet, dass in der Literatur die Langzeitergebnisse von Komposite und Amalgam im Seitenzahngebiet vergleichbar wären. Vermutlich denkt er dabei an die Ergebnisse des eigenen Hauses (Hickel et al.), die mit Langzeit einen Zeithorizont von 2 bis 3 Jahren meinen. Im hier abgebildeten Fall ist die tiefliegende KOmposite Füllung eindeutig am Untergang des Zahnnerven beteiligt.

2. Wie oben erwähnt, bemerkte unser Patient, Herr L., bereits vor lockeren 5 Jahren einen üblen "fauligen" Geschmack im Zahnzwischenraum von 46 zu 47. Allerdings gelang es mir bis zum Ende 2009 nicht, per Röntgenbild oder Hakensonde eine eindeutige Öffnung im Zahnzwischenraum zwischen der Gold Teilkrone 46 und Vollkrone 47 nachzuweisen. Den Grund dafür kennen wir inzwischen: Die Hakensonde setzte immer auf den Kunststoff auf und das Röntgenbild wurde vorher immer im etwas falschen Winkel angefertigt, so dass die Kunststoff Füllung unter dem Metall gerade im Metallschatten zu liegen kam. Was beweist der Geschmack? Die Geschmacks- und/oder Riechnerven sind in der Lage, Fäulnisbakterien aus dem Spalt zwischen Kunststoff und Dentin zu ermitteln. Und obwohl die Bakterien im Spalt über Jahre Gerüche erzeugt haben, hat es trotzdem nicht dafür gereicht, weiteren Kariesschaden Richtung Wurzel anzurichten. Besonders diese Tatsache sollte den Kunststoff Verteidigern zu Denken geben, weil ein Nichtvorhandensein von Karies bei Kunststoff eben nicht beweist, dass  eine dichte Klebeverbindung vorhanden wäre. Hier war es definitiv nicht der Fall.

 

Weiterbehandlung

Herr L. erhält an dieser Stelle des Zahns nun eine Aufbaufüllung aus Glas Ionomer Zement, die bekanntlich ohne Kleber dicht wird und dicht bleibt. Diese Aufbaufüllung verläuft zum Rand rampenförmig bis auf eine Höhe 0 mm und die Präparation der neuen Teilkrone wird im Sinne eines Scheibenschliffes 2 mm tiefer*) in das Zahnfleisch versenkt. Damit ist der Rand ganz sicher dicht.

 

*) Für die mitlesenden Kollegen/innen: Machen Sie sich keine Sorgen über die so genannte biologische Breite, ich praktiziere dieses Vorgehen seit mindestens 10 Jahren und es gab bisher keine (!) ernste Komplikation.

Aktualisiert (Mittwoch, den 24. Februar 2010 um 12:42 Uhr)

 

Biss spezial 10 und ein Kunststoff Opfer

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biss spezial 10#

Bild 1

Bevor ich die Fotoreihe "Biss der Woche" begonnen hatte, war mir gar nicht klar, wieviele meiner Patienten krumme Bisse haben. Jetzt, nachdem ich stärker darauf achte, fallen in der Woche nicht ein, nicht zwei auch nicht 4 solcher Ereignisse an, sondern bedeutend mehr. Ganz grob geschätzt, verfügen mindestens 10% der Kunden über nicht eugnathe Verzahnungen.

Biss spezial 10

Bild 2

Frau S. (35) gehört ebenfalls dazu. Was für viele Leser wahrscheinlich unverständlich ist: Frau S. befand sich vom 9. bis 13. Lebensjahr in kieferorthopädischer Behandlung. Was wieder einmal zeigt, dass die KFO Behandlung a) keine Wunder vollbringen kann, und b) ihre Behandler auch nicht immer Geduldsengel sind. Jedenfalls erfüllt der Biss in den Augen der KFOten nach wie vor die Kategorie: Behandlungsbedürftig, weil der Unterkiefer zu weit vorne steht und zu breit ist.

Biss spezial 10

Bild 3

Der KFO Behandler hat aber Glück: Frau S. ist zurückhaltend, schüchtern und zu allen freundlich und wird niemand auf die Füße treten. Ja, sie habe in beiden Kiefergelenken Geräusche und Knacken bemerkt, auch ihre Freundin hätte sie darauf hingewiesen. Und manchmal müsse sie leichte Einrenkbewegungen machen, um den Mund wieder zu schließen. Aber es würde nicht weht tun und hätte auch nie weh getan, außerdem sei es jetzt gerade mal wieder weg. Auf Schmerzen im Ohr angesprochen, meint sie: nein, Ohrschmerzen hätte sie nie gehabt, nur eine Zeitlang ungeklärte Kopfschmerzen plus Schwindel. Das sei aber schon wieder Jahre her.

tot

Bild 4

Und dann fällt mir plötzlich bei der genauen Betrachtung der Zähne auf, dass in der Unterkiefer Front ein Zahn zuviel eine dunklere Farbe hat: der 32. Prompt reagiert dieser auf Kälte auch gar nicht, im Gegensatz zu seinen Nachbarzähnen und das angefertigte Röntgenbild (Bild 5) zeigt den Grund: eine apikale Ostitis = auf deutsch: Entzündung des Knochens an der Wurzelspitze 32.

apikale Ostitis 32

Bild 5

Nein, Zahnschmerzen hatte sie links unten nicht, jedenfalls kann sie sich nicht erinnern. Leider läßt sich aus meiner Patientenakte auch nicht ermitteln, wann diese Kunststoff Füllung im Zahn 32 gelegt wurde, denn ganz offensichtlich ist sie der Grund für den jetzt toten Zahnnerv. Es hat eine Einwanderung von Bakterien in den Nervkanal stattgefunden, mit einiger Sicherheit nach Anfertigung der Kunststoff Füllung (ich meine, welcher Zahnarzt bastelt eine Füllung in einen dunkler verfärbten Zahn und klärt dabei nicht, ob der Zahn noch auf Kälte reagiert?).

 

Was zeigt der Fall?

So sieht die von mir vorgefundene real existierende Wirklichkeit von CMD Fällen fast regelmäßig aus. Ich erhebe dabei an Befunden:

  1. Einen Krummbiß, mit Kreuz- doppeltem Kreuz- und/oder Mesialbiß. Im Beispiel hier: Ringsrum Kreuzbiß.
  2. Kiefergelenksgeräusche, teilweise mit Hinweise auf eine Diskusdislokation mit/ohne Reposition. Im Beispiel hier: beidseitige Kiefergelenksgeräusche und vermutliche eine anteriore Diskusdislokation mit Reposition (also diese "Einrenkbewegungen").
  3. Oft dazu einen fetten Zahnbefund, hier im Beispiel ein - durch Kunststoff Einsatz - abgestorbener Frontzahn

Und was merkt davon die Patientin: Außer der den Geräuschen beim Bewegen des Unterkiefers nichts, gar nichts. Natürlich wird jeder Pro-CMD Leser sofort anmerken, dass a) Einzelfälle nichts beweisen und b) ich (Joachim Wagner) als ausgewiesener CMD-Kritiker kein Interesse an der Präsentation von so genannten "typischen" Fällen habe. Mein Problem mit dieser Argumentation lautet aber: ich suche für Zahnfilm DE eben keine "Vorführfälle" heraus, sondern nehme das, was tagtäglich so einläuft. Wenn ich mir anschaue, was von der CMD-Schule an Fallvorstellungen präsentiert wird, dann weiß ich genau, dass diese

  • a) immer nur die wenigen halbwegs gut ausgegangenen Schaufälle darstellen
  • b) denen  eine große Menge an nicht vorzeigbaren Negativ Fälle gegenüberstehen
  • c) und meine kleine Internet Fall Sammlung hier in Zahnfilm DE mit "Biss der Woche", "Knirscher der Woche" etc. weitaus repräsentativer für die allgemeine Bevölkerung ist, als alles was ich von CMD-Größen bisher gesehen habe.

Aktualisiert (Samstag, den 20. Februar 2010 um 20:12 Uhr)

 

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